Overblog
Folge diesem Blog Administration + Create my blog
5. Februar 2012 7 05 /02 /Februar /2012 14:32

Neulich las ich folgendes Zitat von Matthias Claudius:

 

"Der ist nicht frei, der da will tun können, was er will, sondern der ist frei, der da wollen kann, was er tun soll."

 

Dieser Satz hat mich nachdenklich gemacht. Normalerweise wird doch unter Freiheit verstanden, dass man tun und lassen kann, was man will. Freiheit ist doch, nach gängiger Meinung, dort, wo es keine Zwänge gibt. Freiheit bedeutet demnach Unabhängigkeit von anderen. Autonomie ist angesagt und nicht das Diktat durch jemand anderen.

 

Matthias Claudias (1740 - 1815) scheint das anders zu sehen. In seiner Zeit strebte das Bürgertum nach Freiheit. Kein Diktat mehr von oben, das das Tun und Denken bestimmte. Dem setzt sich Matthias Claudius entgegen. Wikipedia zufolge lehnte er die Aufklärung ab. Mit dem oben zitierten Satz macht er deutlich, dass wahre Freiheit eine innere und keine äußere ist.

 

Heute gehören wir zu den aufgeklärten Menschen. Eine so strenge Ständegesellschaft wie damals haben wir nicht mehr und Absolutismus haben wir auch nicht erlebt. Diejenigen, die im Westen Deutschlands oder erst nach der Wende geboren wurden, haben noch nicht einmal ein totalitäres Regime erlebt. Meinungs- und Entscheidungsfreiheit sind für uns ganz selbstverständlich. Dazu kommt noch die Prägung durch die Postmoderne in Gestalt der Vielfältigkeit - alles ist erlaubt, jeder darf tun und lassen, was er/sie will.

 

Wer will sich da noch diktieren lassen, was er zu tun oder zu lassen hat? "Ich muss nur eins - sterben" - sagen einige und bringen damit zum Ausdruck, dass sie sich eben nichts diktieren lassen wollen. Sie wollen autonom sein. Aber sind wir das wirklich? In der Wissenschaft wird darüber diskutiert. Da herrscht kein Konsens darüber, ob der Mensch wirklich einen freien Willen hat oder ob das nur Illusion sei. Sind wir also wirklich frei? Haben wir durch die Aufklärung tatsächlich die Freiheit gefunden oder sind wir heute nicht vielmehr Sklaven neuer Herren, die uns wie Weihnachtsgänse ausnehmen? Medien, Wirtschaftsbosse, Politiker etc. ...

 

Hat nicht vielleicht Matthias Claudius Recht damit, wenn er sagt, dass Freiheit dort ist, wo Wollen und Sollen zusammen treffen? Etwas wird doch nur zum Zwang, wenn man es nicht will. Wenn mir ein Lehrer zum Beispiel Hausaufgaben aufgibt, die ich gar nicht tun will, dann fühle ich mich unter Zwang. Wenn mich dagegen das Fach interessiert und ich die Aufgaben spannend und interessant finde, dann empfinde ich die Hausaufgaben nicht mehr als Zwang, sondern als gut. Fühlt man sich also wirklich eingesperrt, wenn Wollen und Sollen zusammen treffen? Vielleicht ist man dann äußerlich unfrei, aber ist man dann nicht eigentlich innerlich frei, weil man den Zwang gar nicht empfindet? Was denkt ihr darüber?


Diesen Post teilen

Repost0
20. Januar 2012 5 20 /01 /Januar /2012 22:10

So - wie versprochen, kommt heute noch der zweite Teil. In meinem letzten Artikel habe ich über die klassische Wissensdefinition von Platon geschrieben und festgestellt, dass man gar nicht von Wissen sprechen kann, wenn man über die Existenz oder Nichtexistenz Gottes redet.

 

Aber warum glaube ich dann an Gott, wenn ich es doch gar nicht sicher weiß? Was ist, wenn ich mich nur selbst belüge und es ihn gar nicht gibt? Und was ist, wenn ich mir einrede, dass es ihn nicht gibt und am Ende gibt es ihn doch?

 

Daher möchte ich einmal durchspielen, was wäre wenn...

 

... 1. es Gott nicht gibt und ich nicht an seine Existenz glaube. Naja, dann ändert sich eigentlich nicht viel. Ich kann mein Leben in vollen Zügen genießen und muss mir nicht viele Gedanken machen - also alles Roger!

 

... 2. es Gott nicht gibt, ich aber glaube, dass es ihn gibt. Dann habe ich mir etwas Falsches eingeredet und mich selbst belogen. Aber erlebe ich dadurch einen spürbaren Verlust gegenüber dem, der 1. auslebt? Nach eine Studie des CMF (Christian Medical Fellowship) von April 2011, leben gläubige Menschen 7 - 14 Jahre länger und sind optimistischer, zufriedener, leiden weniger unter Depressionen und anderen psychischen Krankheiten. Auf schwere Krankheiten wie Aids kann Glaube einen positiven Einfluss haben. Für mich heißt das, dass es statistisch gesehen, gläubigen Menschen besser geht, als jenen, die sich davon distanzieren.

 

... 3. es Gott gibt und ich glaube an seine Ex. Auch hier ändert sich nicht viel. Am Ende des Lebens erwartet den Gläubigen das ewige Leben und auch schon davor, kann er ein qualitativeres Leben führen wie wir in 2. gesehen haben.

 

... 4. es Gott gibt und ich glaube nicht an seine Existenz. Wenn es Gott tatsächlich gibt und ich davon ausgehe, dass er in der Bibel alles gesagt hat, was der Mensch über ihn wissen muss, dann sehe ich, dass es letzten Endes wichtig ist, ob man ihn glaubt oder nicht. In Markus 16,16 heißt es: "Wer glaubt und getauft wird, wird gerettet werden. Wer aber nicht glaubt, wird verurteilt werden." Sicher kann ich ein gutes Leben leben, aber ich gehe dadurch dann doch am Ziel vorbei und ignoriere Gottes Geschenk des ewigen Lebens. Ein Leben, das länger dauert als nur die durchschnittlichen 80 Lebensjahre, die wir hier haben. Das wäre echt schade.

 

Mein Fazit daher - wenn ich an Gottes Existenz glaube, ob es ihn tatsächlich gibt oder nicht, ist immer noch besser als an seine Nichtexistenz zu glauben. Dazu kommen noch zahlreiche persönliche Erfahrungen, die ich mit Gott gemacht habe, die Aktualität der Bibel (die immer wieder in mein Leben hinein spricht) und vieles mehr. Das alles sind für mich gute Gründe zu glauben. Und wie sieht's mit euch aus?

Diesen Post teilen

Repost0
19. Januar 2012 4 19 /01 /Januar /2012 18:03

Nach dem Posten meines vorletzten Artikels "Wiederholung macht den Meister" gab es rege Diskussionen auf meinem Facebook-Profil mit der Frage, ob man sich Gott nicht vielleicht auch einreden kann. Daher möchte ich heute mit euch über Glauben und Wissen diskutieren.

 

Werfen wir zunächst einen Blick auf die Philosophie. Nach der klassischen Wissensdefinition heißt es folgendermaßen:

 

1. a glaubt, dass p

2. a glaubt aus gerechtfertigten Gründen, dass p

3. p ist der Fall.

 

Alle drei Punkte müssen zutreffen, damit man von Wissen sprechen kann. Auf Gott übertragen müsste das bedeuten: 1. Ich glaube, dass Gott existiert. 2. Ich glaube aus gerechtfertigten Gründen (z. B. die persönliche Erfahrung), 3. Gott existiert tatsächlich. Genausogut kann man auch mit der Nichtexistenz Gottes argumentieren - 1. Ich glaube, dass Gott nicht existiert, 2. Ich glaube aus gerechtfertigten Gründen an die Nichtexistenz (z. B. persönliche Erfahrung mit Leid), 3. Gott existiert tatsächlich nicht.

 

Kann man in beiden Fällen wirklich von Wissen sprechen? Wenn ich mir beide Varianten anschaue, dann hapert es letztendlich am letzten Punkt. Gibt es Gott oder gibt es ihn nicht? Glauben und gerechtfertigt glauben tun meiner Meinung nach beide. Aber beweisen, dass es Gott tatsächlich gibt oder nicht gibt, können beide nicht - weder mit Naturwissenschaften, noch mit reiner Logik. Kann man daher in Bezug auf Gott von Wissen sprechen?

 

Ich meine, nein. Natürlich habe ich, als gläubiger Mensch, Erfahrungen mit Gott gemacht. Diese Erfahrungen können aber von jedem anders gedeutet werden und gelten vielleicht für mich subjektiv als Beweis, aber nicht unbedingt auch für einen Dritten.

 

Jetzt könnten natürlich die Atheisten sagen: "Na, siehst du, dann ist der Glaube an einen existierenden Gott ja doch nur Einredung!" Darauf antworte ich: "Ja, aber die Nichtexistenz Gottes ist ebenfalls Glaube." Wir wissen es nach der klassischen Wissensdefinition aber nicht.

 

Die Bibel sagt dazu in Hebräer 11,1: "Was ist nun also der Glaube? Er ist das Vertrauen darauf, dass das, was wir hoffen, sich erfüllen wird, und die Überzeugung (könnte auch mit "Beweis" übersetzt werden), dass das, was man nicht sieht, existiert."

 

In 1. Kor. 13,12 heißt es: "Jetzt sehen wir die Dinge noch unvollkommen, wie in einem trüben Spiegel, dann aber werden wir alles in völliger Klarheit erkennen. Alles, was ich jetzt weiß, ist unvollständig; dann aber werde ich alles erkennen, so wie Gott mich jetzt schon kennt."

 

Mich macht dieses "Wissen" um mein "Nichtwissen" demütig. Es verunsichert mich nicht in meinem Glauben, wie vielleicht mancher meinen könnte, der dieses liest. Aufgrund meiner persönlichen Erfahrungen mit ihm, bin ich davon überzeugt, dass es ihn gibt. Und selbst wenn es ihn nicht geben sollte - für mich ist der Glaube an Gott immer noch die bessere Alternative, als der Glaube an seine Nichtexistenz. Die Gründe dafür werde ich morgen erörtern. Bis dahin bleibt mir nur mit Sokrates zu sagen: "Ich weiß, dass ich nicht weiß."

Diesen Post teilen

Repost0

Über Diesen Blog

  • : Blog von kirsis-blog
  • : Ich schreibe darüber, was mich grad so beschäftigt - am Besten trifft es "Gott und die Welt".
  • Kontakt

Besucherzähler & Co.

Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de

Christliche Topliste von Gnadenmeer.de

Archiv

Kategorien