Ich schreibe darüber, was mich grad so beschäftigt - am Besten trifft es "Gott und die Welt".
Ich habe in einem meiner letzten Artikel den Läufer Eric Liddell erwähnt, der seinen Konkurrenten die Hand schüttelte oder Neulingen seine Bahn überließ. Seine Frau sagte einmal über ihn: "Er glaubte an das Gebet. Jeden Morgen eine Stunde. Ich versuchte es ihm gleich zu tun, aber ich schaffte es einfach nicht. Ich glaube, das war das Geheimnis seines Lebens. Er brachte alles, was er den Tag über zu tun hatte vor Gott und daraus schöpfte er die Kraft, es zu tun."
Hand aufs Herz - schaffst Du es, jeden Morgen eine Stunde zu beten? Also ich schaffe es ganz ehrlich nicht immer. An manchen Tagen reicht es mir zeitlich nicht, an anderen will ich auch gar nicht beten. Da stelle ich mir die Frage: Wie schaffte es Eric Liddell? Kann es sein, dass ich eine total falsche Vorstellung vom Beten habe, die es mir schwer macht, zu beten?
Luther beschreibt das Gebet als das Atemholen der Seele. Wenn ich das Bild des Atmens auf mein Gebetsleben übertrage, dann ist Gott so wie die Luft, die mich ständig umgibt. Das bedeutet, Gott ist ständig um mich und ich muss nur anfangen mit ihm zu reden.
Das bedeutet aber auch, dass Gott die Verbindung mit uns Menschen sucht. Vor ein paar Tagen hatte ich große Probleme mit meinem Handy. Stundenlang war die Verbindung total weg, d. h. ich hätte mit niemandem reden können oder die Verbindung war so schlecht, dass meine Gespräche immer wieder unterbrochen wurden. Das ist mit Gott nicht so. Ich muss beim Beten nicht erst lange warten bis die Verbindung hergestellt ist und mein Empfang funktioniert einwandfrei. Warum? Weil Gott mich umgibt und mir ganz nahe ist. Schon David schreibt im Psalm 139, dass Gott ihm überall nachgeht.
Gott sucht die Verbindung zu uns Menschen. Das ist die Frohe Botschaft. Ich muss mich nicht selbst bemühen, in dem ich Opfer bringe. Nein, Gott ist da und möchte mit uns reden. Einen der schönsten Texte finden wir in Offenbarung 3, 20. Dieser Vers richtet sich an die Gemeinde Laodizea. Aus der Kirchengeschichte wissen wir, dass damit nicht nur die damalige Gemeinde in Laodizea gemeint ist, sondern auch die heutige Christenheit. Die Worte, die Jesus hier sagt, sind sehr hart. Er verurteilt Laodizea, weil es lau ist. Es kann sich weder für noch gegen ihn entscheiden. Es versucht den goldenen Mittelweg zu finden, den es bei Gott nicht gibt. Aber Gott gibt uns dennoch nicht auf. Er sucht die Verbindung mit uns. In Offb. 3, 20 lesen wir: „Siehe, ich stehe an der Tür und klopfe an, wenn jemand meine Stimme hört und die Tür öffnet, zu dem werde ich hineingehen und mit ihm essen und er mit mir.“
Jesus steht als vor unserer Tür und klopft. Das Einzige, was wir tun müssen, um mit ihm Gemeinschaft zu haben, ist die Tür zu öffnen. Wenn ich also beten möchte, muss ich nicht erst mühsam die Verbindung zu Gott suchen. Nein, sie steht bereits. Er klopft bei mir an und ich muss ihm nur öffnen. Ist das nicht eine wunderbare Botschaft? Gebet ist also keine mühevolle Kleinarbeit. Ich muss nicht wie mit meinem Handy von einem Raum zum andern rennen, um zu schauen, wo ich Empfang habe. Nein, ich kann jederzeit und überall mit Gott reden und die Verbindung steht bereits. Ich muss nur einwilligen.
Und damit haben wir auch den nächsten Punkt. Das Gebet ist keine Sache des Könnens, sondern des Wollens. Als das Volk Israel in der Wüste von den giftigen Schlangen gebissen wurde, mussten sie sich auch nicht erst zu der kupfernen Schlange hinschleppen oder andere Aufgaben erledigen, damit sie geheilt wurden. Das hätten sie gar nicht geschafft. Nein, ihre einzige Aufgabe bestand darin, auf die kupferne Schlange hinaufzuschauen und schon waren sie gerettet. Das war reine Willenssache. Sie mussten sich nicht anstrengen.
Genauso ist es auch mit dem Gebet. Ich muss einfach nur die Tür aufmachen. Das bedeutet keine Kraftanstrengung! Der Wille allein reicht aus!