Ich schreibe darüber, was mich grad so beschäftigt - am Besten trifft es "Gott und die Welt".
Eine meiner Lieblingsgeschichten aus der Bibel ist die vom Verlorenen Sohn aus Lukas 15. Da verlässt ein junger Mann sein Elternhaus, verlangt vorher sein ganzes Erbe und zieht in die Fremde. Ein ungeheuerliches Vorgehen für die damalige Zeit! Indem er das Erbe verlangte, erklärte er den Vater praktisch schon für tot.
Der Vater lässt das zu und so zieht dieser Sohn weg. Anfangs geht es ihm auch noch richtig gut - bis dann eine Hungersnot ausbricht und er irgendwann kein Geld mehr hat. Die einzige Möglichkeit für ihn Geld zu verdienen, ist bei einem Bauern die Schweine zu hüten. Schweine sind für Juden unreine Tiere und diese Tiere dann auch noch zu hüten und sie zu versorgen ist somit der schlimmste und unwürdigste Job, den es geben kann. Aber der junge Mann sinkt sogar noch tiefer. Er hat solch einen Hunger, dass er sogar das Schweinefutter isst.
In dieser Zeit besinnt er sich und will wieder nach Hause zurück kehren. Genau in dieser Situation wird aber sein Vaterbild deutlich. Er fühlt sich unwürdig, seinem Vater wieder zu begegnen. Er denkt, dass er alle Chancen beim Vater verspielt hat und so will er nicht als Sohn wieder beim Vater einsteigen, sondern auf der untersten Gehaltsstufe. Knechte waren damals nicht nur Angestellte, sondern gehörten praktisch zur Familie dazu. Tagelöhner hingegen waren Leute, die heute hier und morgen dort arbeiteten - ohne Festanstellung. Wenn sie Glück hatten, bekamen sie einen Job für einen Tag. Am nächsten Tag ging dann die Suche wieder von vorne los. Unser junger Mann will noch nicht mal als Knecht anfangen, womit er ja ein geregeltes Einkommen hätte, sondern als Tagelöhner. Er fühlt sich unwürdig auch nur auf irgendeine Art zur Familie dazu zu gehören. Er hofft, dass er wenigstens als Tagelöhner wieder bei seiner Familie arbeiten und so den Vater versöhnlich stimmen kann.
Welches Bild von Gott haben wir? Sehen wir in ihm auch den unverzeihlichen Gott, der uns nicht vergibt und nur auf Strafe aus ist? In einer Schulklasse ließ der Religionslehrer die Kinder selbst zu Ende erzählen. Die Kinder kannten die Geschichte vorher nicht. Die wenigsten Kids kamen auf das Ende, das Jesus hier erzählt. Die meisten dachten ähnlich wie der Sohn - der Sohn kehrt zwar zurück, muss aber sein Dasein als Tagelöhner fristen. Ein anderer Teil der Klasse kam auf die Idee, dass der Vater den Sohn mit Schimpf und Schande davonjagt. Der Sohn wird daraufhin so wütend, dass er Amok läuft und seinen Vater umbringt.
Aber wie geht die Geschichte wirklich aus? Der Sohn kommt nach Hause. Der Vater sieht ihn schon von ferne auf sich zukommen und lässt sofort alles stehn und liegen, rennt auf seinen Sohn zu, umarmt und küsst ihn zur Begrüßung. Was für eine Freude hat doch der Vater, dass sein Sohn endlich wieder daheim ist! Was für eine Sehnsucht hatte er nach seinem verlorenen Sohn! Er war nicht wütend auf ihn, sondern nur voller Sehnsucht und Liebe.
In der Geschichte steht der Vater für Gott und das ist das Großartige an dieser Geschichte. Die Bibel sagt, dass alle Menschen vor Gott weggelaufen sind. "Wir alle gingen in die Irre wie Schafe. Jeder ging seinen eigenen Weg." (Jesaja 53,6a) Die Geschichte vom Verlorenen Sohn sagt uns aber, dass wir jederzeit wieder zurück kommen können. Gott ist nicht wütend auf uns. Er ist traurig darüber, dass wir unsere eigenen Wege gehen und sehnt sich danach, dass wir wieder zurück kommen! Und wenn wir dann endlich nach Hause zu ihm kommen, dann rennt er uns entgegen und umarmt uns zur Begrüßung. Er gibt uns ein neues Gewand und schmeißt eine richtig große Party für uns, weil er sich so freut. Ist das nicht großartig?