Ich schreibe darüber, was mich grad so beschäftigt - am Besten trifft es "Gott und die Welt".
Weihnachten rückt immer näher. Bei uns in der Familie ist es so Brauch, dass sich die gesamte Familie am 24.12. trifft, gemeinsam musiziert, singt, Geschichten vorliest und eine kurze Andacht erlebt. Für diesen Zweck befinden wir uns immer wieder auf der Suche nach schönen, besinnlichen, aber auch lustigen Weihnachtsgeschichten. Vor einigen Jahren hatte ich dann mal den Gedanken, die Geburt Jesu aus der Sicht eines Esels nachzuerzählen. Daraus entwickelte sich dann folgende Geschichte. (Ihr dürft die Geschichte gerne weiter verwenden, aber gebt mir bitte kurz Bescheid, wenn ihr es tut):
Der kleine Esel (von Kirsi Müller)
Mein Großvater hat immer gesagt: „Wir Esel sind starrköpfig, wissen alles besser und werden von den Menschen nur als Packesel betrachtet, weil wir so gutmütig sind. Aber auch wenn wir nur den Menschen dienen, dürfen wir nie vergessen, wer wir sind und das wir für Gott total wichtig sind.“ Und dann erzählte er uns immer die folgende Geschichte. Wir alle kannten sie schon in- und auswendig. Sie begann jedes Mal mit den Worten:
„Als ich jung war, wohnte ich in Bethlehem als Esel eines Wirtes. Ich hatte meinen eigenen Stall und war sehr stolz darauf. Mir ging es besser als meinen Kollegen. Ich bekam jeden Tag meine Futterration und wurde insgesamt nicht schlecht behandelt. Geschlagen wurde ich hingegen nur, wenn ich mal wieder meinen Rappel bekam und streikte. Aber da das ganz selten geschah, führte ich ein glückliches und zufriedenes Dasein. Es ging mir nie besser als in jener Zeit.
Aber dann kam der Tag, der mein Leben radikal verändern sollte. Schon die Woche zuvor merkte ich so eine gewisse Anspannung unter meinen Herren. Ich spürte: Bald passiert etwas. Viele Menschen kamen nach Bethlehem und ich wurde öfter mit Holz beladen als sonst. Den ganzen Tag war ich damit beschäftigt, irgendwelche Dinge für unsere vielen Gäste zu holen.
An jenem Abend war ich ganz erschöpft. Ich wollte nur noch etwas essen und dann schlafen. Da wurde die Tür zu meinem Stall aufgestoßen und mein Herr kam herein mit einem Ehepaar. Die Frau war hochschwanger und lag schon in den Wehen. Ich dachte mir nur: „Was soll denn das jetzt? Könnt ihr mich nicht endlich in Ruhe lassen? Ich habe doch heute schon genug geschuftet. Verschwindet aus meinem Stall.“
Aber da sagte mein Herr schon: „Tut mir leid. Das ist alles was ich noch habe. Ich kann Ihnen aber noch ein paar Decken besorgen.“ Der Mann sagte: „Ist schon in Ordnung. Hauptsache meine Frau kann sich ein wenig ausruhen und das Baby kommt bald.“ Dann ging mein Herr wieder und ich war mit diesen beiden Menschen allein. Irgendwie taten mir die zwei leid, vor allem die Frau. Sie musste starke Schmerzen haben. Immer wieder stöhnte sie auf.
Durch die lauten Schreie der Frau konnte ich überhaupt nicht mehr schlafen und mein Ohropax hatte ich leider verlegt. Dadurch wurde ich noch ungehaltener und hätte am liebsten laut losgebrüllt: „Was fällt euch eigentlich ein? Erst nehmt ihr mir meinen schönen Stall weg und dann macht ihr auch noch so einen lauten Krach, dass ich nicht schlafen kann.“
Aber das hätte doch nichts gebracht. Die Menschen interessiert es leider herzlich wenig, was wir Tiere empfinden und Gott schien es noch weniger zu kümmern, sonst hätte er doch ein Wunder getan und ich hätte wenigstens in Ruhe schlafen können. Als ich dann schon die Hoffnung aufgab, dass ich noch schlafen könnte und ich mich gerade meinem Futter zuwenden wollte, kam das Baby auf die Welt. Dieser Augenblick bewegte mich. Es war so rührend anzusehen, wie die frischgebackene Mutter ihr Baby auf dem Arm hielt. Ich war so stark bewegt, dass ich für einen Moment mein Essen vergaß und als ich wieder daran dachte, legten sie das Baby in die Krippe.
Sofort wurde ich wieder sauer. Erst lassen sie mich nicht schlafen und dann verbieten sie mir auch noch das Essen. Wenn wir Esel uns so verhalten, dann setzt es immer was, aber die Menschen können sich wohl alles erlauben, weil wir ja nur Tiere sind. Grummelnd legte ich mich auf den Boden und beschloss, dass ich am nächsten Tag streiken würde. Wenn schon niemand an meinen Schlaf denkt, dann wollte ich eben wenigstens am nächsten Tag selber dafür sorgen. Sollten die doch schauen, wo sie bleiben.
Auch an Gott, den Schöpfer, dachte ich wieder und machte ihm große Vorwürfe. Er hatte doch gesagt, dass er für uns sorgen würde und nun war ich in einer Notlage und er half mir überhaupt nicht. Ich war nur noch wütend.
Irgendwann schlief ich über meinen Rache und Hassgedanken ein. Doch als ich gerade eingeschlafen war, riss jemand die Tür auf und eine Schar Leute kam herein. Das ging nicht gerade leise zu. Dadurch wachte ich wieder auf. Es waren ein paar Hirten. Ich kannte sie gut, ab und zu mal durfte ich mit ihren Schafen auf die Weide. Das war immer sehr schön. Aber was wollten sie jetzt hier mitten in der Nacht?
Die Hirten gingen hinüber zur Krippe und für einen Moment dachte ich: „Danke, Gott. Du hast mein Gebet erhört. Endlich nehmen sie das Baby aus meiner Krippe und ich kann endlich mal was essen.“ Aber nichts dergleichen geschah. Im Gegenteil, sie gingen auf die Knie und fingen laut an zu singen. „Gelobt sei Gott!“
Verwundert hörte ich ihrem Gesang zu. Später saßen sie mit dem Ehepaar zusammen und erzählten ihnen eine merkwürdige Geschichte. Die Hirten hüteten wie immer ihre Schafe. Auf einmal waren da ganz viele Engel, die ihnen sagten, dass der Messias in einem Stall in Bethlehem geboren worden sei. Daraufhin seien sie, die Hirten, schnell hierher gelaufen und hätten tatsächlich das Baby gefunden.
Während die Hirten noch so mit dem Ehepaar redeten, wurde die Tür erneut aufgestoßen und ein paar sehr reiche Männer kamen herein. Sie stellten sich als Sterndeuter von einem ganz fernen Land vor. Ein Stern hätte sie zum Stall geführt und auch sie wollten den neugeborenen König der Juden begrüßen und ehren. Auch sie knieten vor der Krippe nieder und beteten an.
Irgendwie wurde mir da ganz warm ums Herz und aller Hass und Bitterkeit verschwand aus meinem Herzen. Ich wurde sehr froh über das, was Gott da tat. Er suchte meinen Stall und meine Krippe aus, damit sein Sohn darin liegen konnte. Dieser Gedanke machte mich stolz und ich lobte Gott mit einem lauten Iah. Prompt wachte das Baby auf und fing an zu weinen. Dass ich daraufhin ein paar böse Blicke erntete, störte mich wenig. Ich war nur noch von Dankbarkeit erfüllt. Eines hatte ich jedenfalls in jener Nacht begriffen: Gott hat mich lieb und er hat mich nicht vergessen, auch wenn es manchmal so aussieht. Aber ich bin ihm nicht egal und er kümmert sich um mich auf eine wunderbare Weise.“