Ich schreibe darüber, was mich grad so beschäftigt - am Besten trifft es "Gott und die Welt".
Heute ist es endlich soweit - es ist Weihnachten! Damit sage ich euch vermutlich nichts Neues, oder? Große Teile der Welt begehen diesen großen Tag, ob sie daran glauben oder nicht. Da stellt sich doch die Frage, was feiern wir Menschen da eigentlich?
Feiern wir den Coca-Cola-Weihnachtsmann, der uns die Geschenke gibt oder das süße Christkind, das in seiner Krippe liegt, aber eigentlich mit unserem Leben so gar nichts zu tun hat? Es ist immer wieder faszinierend zu sehen, wie Menschen diese Frage beantworten.
Ich bin in Philipper 2,5-11 auf eine ganz andere Antwort gestoßen:
"Geht so miteinander um, wie Christus es euch vorgelebt hat. Obwohl er Gott war, bestand er nicht auf seinen göttlichen Rechten. Er verzichtete auf alles; er nahm die niedrige Stellung eines Dieners an und wurde als Mensch geboren und als solcher erkannt. Er erniedrigte sich selbst und war gehorsam bis zum Tod, indem er wie ein Verbrecher am Kreuz starb. Deshalb hat Gott ihn in den Himmel gehoben und ihm einen Namen gegeben, der höher ist als alle anderen Namen. Vor diesem Namen sollen sich die Knie aller beugen, die im Himmel und auf der Erde und unter der Erde sind. Und zur Ehre Gottes, des Vaters, werden alle bekennen, dass Jesus Christus Herr ist." (Neues Leben)
Mich begeistert dieser Text jedes Mal aufs Neue wenn ich ihn lese. Den Griechischen Text könnte man auch so übersetzen, dass Jesus sich nicht wie an einen Raub festklammerte, so wie Gott zu sein. Für ihn war es nicht schlimm, die göttlichen Privilegien loszulassen und auf alles zu verzichten.
Im Griechischen heißt es hier, dass er in göttlicher Gestalt war und später die Gestalt eines Menschen annahm. Das ist Weihnachten. Wie oft denken wir, dass Gott so weit von uns entfernt sei. Weihnachten zeigt uns aber, Gott kommt uns durch Jesus ganz nah. Er ist nicht wie ein herrschsüchtiger Chef, der in seiner Chefetage fernab von den Mitarbeitern einsame Entscheidungen trifft - nein, Gott wird einer von uns. Er ist quasi in einer Art Undercover-Mission unterwegs.
Er erlebt, was es bedeutet als Mensch zu leben. Er erlebt es mit, was es bedeutet, einen guten Freund durch den Tod zu verlieren. Er weiß, was es bedeutet, gemobbt und angefeindet zu werden oder arm zu sein. Weihnachten bedeutet - Gott ist da! Er macht sich selbst zu einem von uns.
Weihnachten bedeutet aber auch, dass Jesus nicht einfach nur das süße Christkind ist, das in einer Krippe liegt. Nach seinem Tod und der Auferstehung wird Jesus in den Himmel wieder aufgenommen und als König und Herrscher eingesetzt und alle sollen ihn als Herrn anerkennen. Jesus bekommt damit alle seine Privilegien zurück. Die Undercover-Mission ist vorbei und seine wahre Identität ist enthüllt. Die Frage ist, wie wir mit dieser neuen Identität umgehen? Erkennen wir Jesus als unseren HERRN an oder bleibt er für uns das süße, kitschige Christkind mit den goldenen Locken in der Krippe?
Und eine letzte Bedeutung von Weihnachten kann ich diesem Text entnehmen. Der Abschnitt beginnt damit, dass wir so leben sollen, wie Christus es uns vorgelebt hat. Als Veranschaulichung folgt darauf, dass er alles aufgegeben hat usw. Wie sieht es mit unseren Privilegien und Rechten aus? Sind wir bereit sie für andere aufzugeben? Sind wir bereit eine Meile in den Schuhen des Anderen zu laufen, um den Anderen besser zu verstehen? Jesus sagt selbst in Matthäus 23,12:
"Diejenigen jedoch, die sich über die anderen stellen, werden gedemütigt werden, und die, die demütig sind, werden erhöht." Okay, ich gebe zu - ich habe selbst meine großen Schwierigkeiten damit. Es ist keine angenehme Sache. Verzicht zu üben, ist nicht leicht und braucht Überwindung. Aber es lohnt sich. Irgendwann zahlt es sich aus. Was können wir anderen zuliebe aufgeben? Gerade angesichts der Zeiten, in denen Reiche immer reicher und die Armen immer ärmer werden, ist es gut, einmal darüber nachzudenken, was wir für andere tun könnten.