Ich schreibe darüber, was mich grad so beschäftigt - am Besten trifft es "Gott und die Welt".
Neulich fragte mich eine Freundin: "Kennst Du den und den Schauspieler? Der hat doch in dem und dem Film mitgespielt?" Normalerweise antworten wir doch darauf "Kenne ich", wenn wir bereits einen Film mit diesem Schauspieler gesehen haben oder mit "Kenne ich nicht", wenn wir noch nie was von diesem Schauspieler gesehen oder gehört haben.
Nicht so der Hebräer zu biblischen Zeiten. Jemanden zu kennen beinhaltete für ihn, eine Beziehung mit dieser Person zu haben. Es bedeutete eine tiefe Hingabe an diese andere Person. Jemanden zu kennen ist somit eine existenzielle Erfahrung. Aus diesem Grund wird auch im Hebräischen das Wort für "erkennen" für den sexuellen Akt zwischen Mann und Frau verwendet. Kennen bzw. Erkennen ist mehr als nur jemanden aus der Ferne zu kennen oder von jemandem mal gehört zu haben. Jemanden zu kennen bedeutet, eine hingebungsvolle Beziehung zu pflegen. Das meint die Bibel auch, wenn sie von "Gott kennen" spricht. Sie meint dabei nicht, dass man einfach mal von Gott gehört hat. Das allein reicht nicht aus. Gott zu kennen bedeutet, in eine Beziehung mit ihm zu treten.
In der Psychologie spricht man auch davon, dass der Mensch immer ein Rätsel bleiben wird. Es wird immer Seiten in einem geben, die man selbst nicht kennt, genauso wird auch unser Gegenüber immer ein Rätsel bleiben. Wir werden nie in der Lage sein, uns selbst und den Anderen vollständig zu verstehen und zu kennen. Auch im hebräischen Denken der Bibel ist der Mensch eine komplexe Struktur und damit ein Geheimnis. Aus diesem Grund finde ich die hebräische Definition von "kennen" sehr gut. Ich werde nie in der Lage sein, jemanden wirklich zu kennen - auch nicht die Leute in meinem engsten Beziehungskreis. Aber ich kann in einer engen Beziehung mit ihnen sein.
Wenn wir daher sagen, wir kennen jemanden, dann greifen wir immer zu kurz. Wir sind nicht in der Lage, jemanden wirklich zu kennen, da wir nicht einmal uns selbst völlig kennen und uns selbst immer wieder mit neuen Verhaltensweisen und Reaktionen überraschen. Erst wenn wir von den Hebräern der alttestamentlichen Zeit lernen, treffen wir vielleicht eher die Bedeutung von "kennen" - nämlich die Beziehung.