Ich schreibe darüber, was mich grad so beschäftigt - am Besten trifft es "Gott und die Welt".
Gestern habe ich mal wieder eine Folge von Desperate Housewives angeschaut. Die Folge stammt aus der vierten Staffel und heißt "Sonntag".
Für alle, die die Serie nicht kennen - Hauptcharaktere sind vier Hausfrauen, von denen jede auf ihre Art verzweifelt ist und mit Problemen und Geheimnissen zu kämpfen hat: das reicht von Liebeskummer, über Eheprobleme, hyperaktive Kinder bis zu Krebs. Die Serie schildert aber auch die gute Freundschaft zwischen den Frauen.
Jede der Frauen hat ihren eigenen Charakter: Susan, alleinerziehende Mutter einer Teenagertochter, ist die Süße unter den Vieren und ein wahrer Tollpatsch, was zu echt komischen Situationen führen kann. Es gibt kaum ein Fettnäpfchen, das sie nicht auslässt. Gabrielle, auch Gaby genannt, ist charmant, weiß, was sie will und gibt gerne Geld aus. Bree ist die perfekte Hausfrau - Perfektionismus spielt für sie eine wesentliche Rolle. Sie ist religiös. Lynette ist sehr gewitzt und hat daheim das Sagen. In der dritten und vor allem vierten Staffel musste sie einige Schicksalsschläge hinnehmen - sie erhielt die Diagnose Krebs und gleichzeitig zerstörte ein Tornado beinahe ihre gesamte Familie.
Gerade durch diese Schicksalsschläge kommt sie ins Grübeln und beschließt eines Sonntags in die Kirche zu gehen. Normalerweise geht sie nicht in die Kirche und betrachtet sich selbst als ungläubig. Da sie nicht weiß, in welche Kirche sie zum Gottesdienst gehen soll, fragt sie ihre Freundin Bree um Rat. Bree nimmt sie tatsächlich mit in ihre Gemeinde - zu den Presbyterianern.
Nach der Predigt geschieht das Unfassbare: Lynette hebt die Hand und fängt vor der versammelten Gemeinde an, die Predigt zu kommentieren: "Die Predigt war interessant und der und der Punkt hat mir auch sehr gut gefallen - nur was ich nicht verstehe, ist, dass ein liebender Gott es zulässt, dass jemand Amok läuft und unschuldige Kinder erschießt." Die perfektionistische Bree würde am liebsten in den Boden versinken, so sehr schämt sie sich für das Verhalten ihrer Freundin - insbesondere weil sie gerne vom Pastor auf einen wichtigen Posten innerhalb des Gemeindelebens ernannt werden möchte. Wenn ihre Freundin sie nun so blamiert, könnte sich das schlecht auf ihre Ernennung auswirken. Der Pastor beantwortet geduldig die Lynettes Fragen und verweist sie auf den Bibelkreis, in dem sie alle Fragen stellen kann, die sie hat.
Einen Tag später begegnen sich die beiden Freundinnen. Lynette sitzt auf der Terrasse und zeigt Bree die Bibel, die sie sich gekauft hat. In die Bibel hat sie sich Post-It-Zettel an die Stellen geklebt, zu denen sie Fragen hat und es sind viele Zettel. Sie freut sich schon richtig auf den Bibelkreis, wo sie hoffentlich Antworten auf ihre vielen Fragen bekommen kann.
Bree ist davon nicht angetan. Sie fürchtet, weiter durch Lynettes Verhalten bloß gestellt zu werden und bittet sie, sich eine andere Kirche zu suchen, wo es üblich ist, im Rahmen des Gottesdienstes kritische Fragen zur Predigt zu stellen.
Am nächsten Sonntagmorgen spricht der Pfarrer Bree noch vor Gottesdienstbeginn an, ob auch ihre entzückende Freundin kommen würde. So ein frischer Wind würde der Gemeinde gut tun und eine gesunde Kirche brauche auch neue Mitglieder. In dem Zusammenhang erwähnt der Pfarrer auch, dass er sich bezüglich des Postens bereits entschieden hätte. Obwohl Bree weiß, dass Lynette mit ihrer Familie an diesem Morgen in die Katholische Kirche gehen wollten, sagt sie dem Pfarrer, dass ihre Freundin wohl jeden Moment kommen würde.
Um dafür zu sorgen, dass Lynette tatsächlich kommt, eilt Bree zur Katholischen Kirche, die in der gleichen Straße liegt und bittet Lynette, doch wieder zu der Presbyterianischen Kirche zurück zu kommen. Als Lynette sich weigert, erzählt Bree ihr von ihrer Kandidatur in ihrer Kirche und dass der Pfarrer total angetan davon war, dass Bree jemand Neues zum Gottesdienst mitgebracht hätte. Bree bittet Lynette daher um den Gefallen, ihr zuliebe doch zu ihrer Gemeinde zu gehen.
Lynette lehnt ab. Sie macht Bree deutlich, dass sie sich wegen des Gottesdienstbesuches nur an sie gewandt habe, weil Bree die Gläubigste unter ihren Freundinnen sei. Zumindest ging Lynette davon aus, dass Bree eine wirkliche Beziehung zu Gott habe. Bree habe schon so viele Krisen überwunden und sie, Lynette, sei überzeugt davon, dass der Glaube Bree dabei geholfen habe. Um diesen Glauben hatte Lynette Bree sogar beneidet. Bree bestätigt Lynette auch, dass ihr Glaube ihr in ihren Krisen geholfen habe. Aber auf die Frage, wie das geschehen sei, kann sie keine Antwort geben.
Durch diese Begegnung mit Lynette kommt Bree ins Nachdenken. Sie gibt ihre Kandidatur für den Posten zurück. Bree geht auf Lynette zu und entschuldigt sich für ihr Fehlverhalten und dass sie für ihre Freundin in der Zeit der Krise nicht da war. Die beiden versöhnen sich wieder. Am Ende der Folge sieht man Bree und Lynette auf der Veranda sitzen. Bree hat Lynettes aufgeschlagene Bibel in den Händen und die beiden unterhalten sich.
Ich habe mich bei dieser Episode gefragt, ob wir nicht auch auf ein ähnliches Bild innerhalb unserer Gemeinden und Kirchen blicken. Da sind Gäste, die sich nicht immer so angepasst verhalten, wie wir es fordern und gewohnt sind, die vielleicht sogar unbequeme Fragen stellen. Wie gehen wir damit um? Lassen wir es zu oder verweisen wir sie auch auf die Gospelkirche am Rande der Stadt, wo solch ein Verhalten vielleicht eher angepasst ist?
Erkennen wir die wahren Nöte unserer Nachbarn und Freunde oder sind wir vielleicht zu bequem, Fragen zu stellen und zu sehr damit beschäftigt, unsere gemeindeinterne Karriere vom Saaldienst zum Gemeindeleiter zu planen? Bree hält uns hier einen Spiegel vor. Sie zeigt uns zunächst wie man es nicht machen sollte. Ich wünschte mir, wir hätten mehr die Bree vom Ende der Folge in unseren Gemeinden und Kirche - eine Bree, die sich mit ihrer Freundin hinsetzt, ihr die Bibel erklärt, auf Lynette eingeht und die gemeinsame Freunschaft hochhält.