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Ich schreibe darüber, was mich grad so beschäftigt - am Besten trifft es "Gott und die Welt".

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Lesen in der Krise

Gestern habe ich einen Artikel in der Ausgabe 02/2012 von "Psychologie Heute" gelesen. Der Artikel von Andreas Belwe lautet: "Wozu ist Lesen gut?" Der Autor schildert die Probleme, die heutige Jugendliche mit dem Lesen haben. Erschreckend fand ich es, dass selbst anscheinend manche Studenten der Geisteswissenschaften nur unwillig zu Büchern greifen, obwohl es in ihren Studienfächern elementar wichtig ist, zu lesen (und zwar nicht nur PowerPoint-Folien).

 

Für den Journalisten ist die Ursache klar: Die modernen Medien und Plattformen wie Youtube und Facebook. Heute könnten sich die Jugendlichen dadurch nicht mehr länger konzentrieren. Zu schnell schalten sie ab, wenn sie einen längeren Text lesen sollen. Das fanden zumindest die Forscher von der Harvard Medical School heraus. Weitere Ursachen liegen in lesefaulen Herkunftsfamilien und Grundschulen, die die Kinder nicht zum Lesen motivieren. Mittlerweile reagieren anscheinend Grundschulen und sogar Universitäten auf dieses Problem.

 

Dabei ist Lesen sehr wichtig. Lesen erweitert nicht nur den intellektuellen Horizont und bringt den Leser dazu sich kritisch mit dem Text, als auch mit sich selbst umzugehen, sondern es fördert auch zwischenmenschliche Beziehungen. Das klingt auf den ersten Blick merkwürdig, hat man doch dabei oft irgendwelche Eigenbrötler vor Augen, die sich hinter einem Buch verkriechen. Andreas Belwe schreibt dazu: "...Sie (damit sind die veränderten Lesegewohnheiten durch Facebook usw. gemeint) verändern das Kommunikationsverhalten, entpersönlichen Beziehungen oder lassen sie unverbindlicher werden. Geduld und Sicheinlassen auf ein Gegenüber ist für eine Beziehung genauso Voraussetzung wie für die Auseinandersetzung mit einem Text, über den der Leser in einen Dialog mit dem Autor tritt und sich in dessen Perspektiven hineinversetzen können muss und nicht nur das herauslesen, was er bereits zu wissen vermeint oder am schnellsten und einfachsten versteht. Unfähigkeit, den Perspektivwechsel zu vollziehen, und fehlende Empathie sowie die Bereitschaft, sich in andere Denkwelten einzufinden, machen ein Lesen unmöglich."

 

Ein paar Sätze weiter sagt der Autor: "Wer liest, erweitert seine Sprache, wer seine Sprache erweitert, erweitert die Grenzen seines Denkens." Das finde ich interessant und bemerkenswert. Umso trauriger, dass (nicht nur) meine Generation lesefaul wird. Sicherlich ist noch nicht endgültig abzusehen, inwieweit wir nicht vielleicht auch durch die digitale Welt Fähigkeiten entwickeln, die es zuvor nicht gab. Dennoch ist es für mich nicht mehr verwunderlich, einen Kulturverfall zu registrieren, wenn immer weniger Menschen Bücher zur Hand nehmen.

 

Ich frage mich auch, was für einen Einfluss diese Lesefaulheit in den christlichen Gemeinden haben wird. Die Bibel ist für das Glaubensleben immens wichtig. Wie wollen unsere Jugendlichen die Bibel ergründen und verstehen, wenn sie sich nicht länger als 10 Minuten auf einen Text konzentrieren können? Werden wir vielleicht sogar wieder in einer Zeit wie vor Martin Luther landen, in der es den Menschen nicht möglich war, die Bibel zu erforschen und in der sie davon abhängig waren, dass jemand anderes ihnen das Wort erklärt? Des Lesens und Schreibens werden wir zwar weiterhin mächtig sein, aber vielleicht nicht mehr des Verstehens... Diese Vorstellung macht mir irgendwie Angst.

 

Aber wie können wir die Lesekultur wieder fördern? Oder anders ausgedrückt: An alle Leseratten wie mich - wie können wir andere für das Lesen von Büchern und/oder längeren, komplexen Texten motivieren?

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