Ich schreibe darüber, was mich grad so beschäftigt - am Besten trifft es "Gott und die Welt".
Heute habe ich einen Blogeintrag von einem Facebook-Freund und Blogkollegen gelesen. link In seinem Artikel "Der Segen" schreibt Blogkollege Frank Fischer von einem Tief, das er am Wochenende durchlebte. Solche Tiefs kennt jeder von uns.
An einer Stelle schreibt er dann treffend: "Manch einem Leser meines Blogs, der mich persönlich kennt, wird das evtl. noch gar nicht besonders aufgefallen sein. Und solange ich nicht von selbst darüber spreche, versuche ich in diesen Zeiten auch mir nichts anmerken zu lassen. Schließlich will man ja nach Außen hin zumindest den Schein aufrecht erhalten, dass alles wie immer, d.h. in Ordnung sei. Doch zeitweise strengt das ziemlich an. Immer einen auf "keep smiling" zu machen zehrt ganz ordentlich an den durch die schlechte Stimmungslage eh schon sehr angespannten Nerven und schlägt sich auch auf das Immunsystem nicht gerade gesundheitsfördernd nieder."
Ich denke, jeder von uns kennt es, wenn man nach außen hin so tut, als sei alles in Ordnung. Mich erinnert das so ein bisschen an die Serie "Desperate Housewives", in der genau dieses Verhalten auf die Schippe genommen wird. Ich denke da zum Beispiel an eine Szene in der ersten Staffel. In der Serie geht es um eine Gruppe von Hausfrauen in der Wisteria Lane, einem kleinen Vorort in den USA. Diese vier Hausfrauen sind eng miteinander befreundet, dennoch erzählen sie sich nicht alles. Jede hat ihre kleinen Geheimnisse. Nach und nach lüften sich aber einige dieser Geheimnisse.
Eine der Hausfrauen ist Lynette Scavo, Mutter von vier Kindern. Ihr Mann ist beruflich viel unterwegs, daher liegt die Erziehung hauptsächlich an ihr. Mit den Kindern, besonders ihren hyperaktiven Zwillingen, ist sie ziemlich überfordert. Vor den Kindern war sie berufstätig und ziemlich erfolgreich. Ihrem Mann zuliebe gibt sie mit der Geburt der Zwillinge ihren Beruf auf und wird dadurch wirklich zu einer verzweifelten Hausfrau, da sie die Jungs schier nicht bändigen kann.
Eines Tages trifft sie im Supermarkt eine ehemalige Arbeitskollegin. Auf die Frage: "Und wie ist es so Mutter zu sein? Das muss doch bestimmt großartig sein!", wird Lynette klar, dass es darauf nur eine Antwort gibt - nämlich ja. Ein Nein würde nur für Unverständnis sorgen und so sagt sie mit einem falschen Lächeln im Gesicht: "Ja, es ist toll!" Sie spielt die Rolle, die von ihr erwartet wird, was sie wirklich fühlt und wünscht, ist nicht gefragt und ihre negativen Gefühle werden auch von der "Gesellschaft" nicht zugelassen. Also spielt sie die Rolle der glücklichen Mutter auch vor ihren Freundinnen, was ihr nicht gelingt.
Dieser Druck, der auf ihr lastet, führt sie dann in die Tablettenabhängigkeit. Aus dieser Abhängigkeit findet sie auch durch ihre Freundinnen letzten Endes wieder heraus. Dennoch zeigt mir ihre Geschichte, dass es nicht gut ist, allen das Glück vorzuspielen. Letzten Endes macht es kaputt.
Natürlich will ich damit nicht sagen, dass wir jedem, der uns über den Weg läuft, erzählen sollen, wie es uns geht. Aber wäre es nicht schön, wenn wir offener und vertrauensvoller miteinander umgehen könnten? Wenn wir nicht immer nur den Sonnenschein vorspielen müssten? Wenn Misserfolg genauso akzeptabel wäre wie Erfolg? Auf der anderen Seite - unsere Freunde sind auch keine Psychotherapeuten und manchmal vielleicht auch mit unseren Problemen überfordert. Aber es ist dennoch wichtig, jemanden zu haben, mit dem man über alles sprechen kann.
In solchen Situationen bin ich froh, dass ich beten kann. Ich kann Gott alles sagen - die ganze Produktpalette an Gefühlen, denn er hat mich mit diesen Gefühlen geschaffen und kennt mich ganz genau. Warum also sollte ich ihm einen glücklichen Menschen vorspielen, wenn ich eigentlich verzweifelt, traurig, wütend bin? Gott ist groß genug, dass er unsere Wut, unsere Zweifel und Traurigkeit aushält. Er ist auch nicht genervt, wenn wir zum x-ten Mal mit dem gleichen Problem ankommen. Gott gegenüber können und dürfen wir absolut authentisch sein. Eine ältere Dame hat neulich mal im Gottesdienst gesagt: "Manchmal schimpfe ich auch richtig mit dem lieben Gott, wenn ich seinen Weg mit mir nicht verstehe." Ich finde es schön, dass ich mich vor Gott nicht verstecken muss hinter einem lachenden Gesicht, sondern dass ich ihm absolut ehrlich begegnen darf.